Tag des offenen Denkmals – Einblicke in ganz Westfalen

Impressionen des Quartiers "Alter Bahnhof" in Bochum-Langendreer. Foto: LWL/Schöfer

Tag des offenen Denkmals – Einblicke in ganz Westfalen Foto: LWL/Schöfer

“Jenseits des Guten und Schönen. Unbequeme Denkmale?” lautet das Motto des 21. Tages des offenen Denkmals. Bundesweit stehen an diesem Tag die Türen zu den unterschiedlichen Denkmalen auf und zeigen Geschichte, Architektur und Archäologie aus einer anderen Perspektive. Auch der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) beteiligt sich mit seinen Archäologen und Denkmalpflegern an verschiedenen Orten und rückt auf ganz unterschiedliche Weise Denkmale und archäologische Aspekte in den Mittelpunkt.

In der Speicherstadt in Münster-Coerde wird am 8. September gleichzeitig mit einem Tag der offenen Tür das neue Außengelände eingeweiht. Alle Anwohner vom Stadtarchiv über die Stadtteilwerkstatt, Verlage, Zeitschriften und Unternehmen öffnen von 12 bis 17 Uhr ihre Türen. Auch die LWL-Archäologie für Westfalen lädt zum Schnuppern ein. Um 13.30 Uhr, 14.30 Uhr und 15.30 Uhr finden Führungen durch die Restaurierungswerkstatt und das Zentrale Fundarchiv statt. Es gibt ein grabungspädagogisches Angebot für Kinder, einen Luftballonwettbewerb und Geschichte zum Anfassen: Ein historischer Tretradkran steht bereit, Kettenhemden werden hergestellt und die Besucher können zuschauen, wie Buchmalerei entsteht. Das Rahmenprogramm hat Musik und kulinarische Leckereien sowie Aktionen auf dem Gelände für die gesamte Familie zu bieten.

Am LWL-Römermuseum in Haltern (Kreis Recklinghausen), wo Varus mit seinen Legionären sein Hauptlager bezogen hatte, gibt es am Tag des offenen Denkmals aktuelle Ausgrabungen fast zum Anfassen für die ganze Familie. Um 10 Uhr beginnt ein Rundgang für Erwachsene über die Grabung im Römerlager. Rund zweieinhalb Stunden lang erfahren die Teilnehmer, wie die LWL-Archäologen den Zeugnissen der Vergangenheit auf die Spur kommen, wie die längst vergangene Lagerumwehrung im Boden immer noch sichtbar ist und welche Erkenntnisse sich aus den vielen Funden und Befunden gewinnen lassen.

Familien mit Kindern ab acht Jahren gehen ab 14 Uhr der Archäologie mit allen Sinnen auf den Grund. Eine Mitmach-Aktion lädt dazu ein, selbst auszuprobieren, wie die Archäologen arbeiten. Für beide Angebote sind Anmeldungen unter Tel. 02364 9376-0 erforderlich. Es sind noch Plätze frei.
An diesem Tag gibt es jedoch noch mehr Angebote. Um 10, 11, 14 und 15 Uhr zeigt Kalle der Museumsmaulwurf im Museumskino, wie die Archäologen arbeiten. Übrigens: Die Angebote sind kostenlos – der Eintritt ist an diesem Tag frei.

Die Ruine der Falkenburg bei Detmold (Kreis Lippe) wird von den LWL-Archäologen ausgegraben und hat erst vor kurzem wieder überraschende Funde frei gegeben. Von 10 bis 16 Uhr werden zu jeder vollen Stunde Führungen über die Anlage angeboten, auf der die lippischen Landesherren bewegte Geschichte geschrieben haben. Die Besucher erwartet eine Zeitreise. Treffpunkt ist die Schutzhütte unterhalb der Burg.

So sah die Bumannsburg in Bergkamen Ende der 70er-Jahre bei Ausgrabungen aus. Heute ist das Bodendenkmal bedroht. Foto: LWL/Arend

So sah die Bumannsburg in Bergkamen Ende der 70er-Jahre bei Ausgrabungen aus. Heute ist das Bodendenkmal bedroht.
Foto: LWL/Arend

Die Bumannsburg in Bergkamen-Rünthe (Kreis Unna) ist bedroht: Die Wallburganlage am Ostenhellweg, gegenüber der Straße “Am Römerlager” ist nur noch mit einem Erdwall sichtbar erhalten, der gern von BMX-Fahrern genutzt wird. Die LWL-Archäologen stehen von 10.30 bis 15 Uhr bereit, um mit Führungen die Bedeutung dieser Anlage vor Auge zu führen. Julia Menne, die Autorin einer Broschüre, die über die Bumannsburg im Frühjahr erscheinen wird, kann viel über die Geschichte des Ortes berichten. Parkmöglichkeiten stehen auf dem Parkplatz des benachbarten “Kaufland” zur Verfügung.

Die LWL-Stadtarchäologie in Paderborn führt die Besucher von 11 bis 16 Uhr am Busdorf 11 in Paderborn in die Unterwelt. Hier verbirgt sich die älteste Latrine der Stadt, in der viele Funde vom Alltag der mittelalterlichen Bewohner berichten. Halbstünde Führungen zeigen außerdem, wie die Häuser in der frühen Phase der Stadtwerdung in Paderborn aussahen.

In die Paderborner Unterwelt geht es mit den LWL-Archäologen der Stadtarchäologie beim Tag des offenen Denkmals - in die älteste Latrine Paderborns. Foto: LWL/Spiong

In die Paderborner Unterwelt geht es mit den LWL-Archäologen der Stadtarchäologie beim Tag des offenen Denkmals – in die älteste Latrine Paderborns. Foto: LWL/Spiong

Die Werburg in Spenge (Kreis Herford) wird zur Zeit saniert und zu einem kulturellen Begegnungszentrum ausgebaut. Zuvor hat sie den LWL-Archäologen über viele Jahre interessante Funde ermöglicht – von Kanonenkugeln bis zur größten Ansammlung von Munitionsfunden in Westfalen. Um 11 Uhr, 13 Uhr und 15 Uhr gibt es Führungen durch das Herrenhaus und das Torhaus mit archäologischem Hintergrund. Es gibt außerdem ein Rahmenprogramm mit Musik, Kunst und Kulinarischem.

Archäologische Beratung und Führungen über die Wittekindsburg unweit des Kaiser-Wilhelm-Denkmals in Porta Westfalica (Kreis Minden-Lübbecke) stehen im Rahmen des Tages des offenen Denkmals bei den Feierlichkeiten rund um das Denkmal bereits am 7. September auf dem Programm. Der Ausgräber des LWL erläutert die archäologischen Entdeckungen auf dem geschichtsträchtigen Gelände, während rund um die berühmte Kaiserstatue “Von Wilhelm zu Widukind – 1000 Jahre Geschichte neu erleben” im Mittelpunkt stehen -mit einem bunten Rahmenprogramm von der historischen Handwerkskunst bis zum Spaziergang durch Jahrhunderte.

Unter dem Motto “Neue Ideen für das Quartier Alter Bahnhof” veranstaltet das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz (DNK) in Zusammenarbeit mit dem LWL seinen 8. Studentenworkshop in Bochum. Saskia Schöfer und Dr. Hans Hanke von der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen, unterstützten die Studenten vor Ort. Der Bereich Alter Bahnhof in Langendreer in Bochum ist zwar bis heute eines der am besten erhaltenen wilhelminischen Stadtquartiere in Westfalen, aber er ist auch von veränderten Gebäuden, Leerstand und sozialen Problemen geprägt. Die neugotische Lutherkirche ist sanierungsbedürftig und wurde entweiht. Das Quartier braucht ein Konzept zur Revitalisierung und zur Nutzung leerstehender Gebäude.Der Workshop wird am Vormittag im Rahmen der offiziellen Eröffnung des Tags des offenen Denkmals in Bochum in der Lutherkirche eröffnet. Am Samstag, 14. September, werden die Studenten ihre Ergebnisse in einer öffentlichen Abschlusspräsentation vorstellen. Mehr Infos unter: http://www.dnk.de/Studentenworkshop/n2251 oder http://www.lwl-dlbw.de.

Westwand des Kirchenschiffs in der evangelischen Andreaskirche in Soest-Ostönnen zeigt das gegen Ende des 12. Jahrhunderts gemalte Opfer Kains und Abels. Foto: LWL/Strohmann

Westwand des Kirchenschiffs in der evangelischen Andreaskirche in Soest-Ostönnen zeigt das gegen Ende des 12. Jahrhunderts gemalte Opfer Kains und Abels.
Foto: LWL/Strohmann

Der LWL erfasst und erforscht im Rahmen des Projektes “Bildwelten – Weltbilder: Figürliche Wandmalerei der Romanik in Westfalen” die 14 wichtigsten Beispiele dieser Kunstgattung. 2017 werden die gesamten Ergebnisse in einer Buchpräsentation vorgestellt. LWL-Denkmalpfleger Dr. Dirk Strohmann ist Leiter des Forschungsprojektes. Im Rahmen des Tages des offenen Denkmals gibt er in Soest-Ostönnen erste Einblicke in die Resultate der Forschungsarbeiten, die hier im Frühjahr 2013 stattfanden. Strohmann erläutert auch die notwendigen Konservierungsmaßnahmen an den Wandmalereien aus dem späten 12. und 13. Jahrhundert.

Denkmal: Ev. Andreaskirche
Soest-Ostönnen, Ev. Andreaskirche, Kirchplatz 10
Erläuterungen der Wandmalereien um 14 und um 16 Uhr

Im denkmalgeschützten Verwaltungsgericht Gelsenkirchen gibt es am Tag des offenen Denkmals eine fiktive Schaugerichtsverhandlung zum Thema Denkmalpflege. Foto: Verwaltungsgericht Gelsenkirchen

Im denkmalgeschützten Verwaltungsgericht Gelsenkirchen gibt es am Tag des offenen Denkmals eine fiktive Schaugerichtsverhandlung zum Thema Denkmalpflege.
Foto: Verwaltungsgericht Gelsenkirchen

Auch das denkmalgeschützte Verwaltungsgericht Gelsenkirchen wird am Tag des offenen Denkmals für Besucher geöffnet. Die ehemalige Hauptpost, die von 1907 bis 1910 erbaut wurde, wird seit 1984 als Verwaltungsgericht genutzt. Stündliche Führungen stellen den monumentalen, viergeschossigen Backsteinbau mit Werksteingliederung im Stil der Neurenaissance und auch den Anbau von 1927 vor. Die Besucher lernen dabei besondere Details wie das Hauptportal mit Portikus oder Erker, Blendgiebel und den Turm ebenso kennen wie die ehemalige Schalterhalle mit ihrem großem Oberlicht in einer Eisen-Glas-Konstruktion. Neben den architektonischen Führungen durch Mitarbeiter des Gerichts wird es als besonderen Programmpunkt um 11.30 Uhr und um 14 Uhr fiktive Schau-Gerichtsverhandlungen geben, in der LWL-Denkmalpfleger Dr. Christoph Heuter als Schauspieler die Belange des Denkmalschutzes vertritt. Die Zuschauer haben hier die Möglichkeit, eine Verhandlung über den Streitfall “Umnutzung einer Kirche” live zu erleben.

Denkmal: Verwaltungsgericht Gelsenkirchen
Bahnhofsvorplatz 3, 45879 Gelsenkirchen
Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen ist als Baudenkmal am Tag des offenen Denkmals von 11 bis 17 Uhr geöffnet, es werden stündlich Führungen angeboten.

Die Wanderausstellung "Unser Denkmal. Wir machen mit." ist am Tag des offenen Denkmals im Lippischen Landesmuseum in Detmold zu sehen. Foto: LWL

Die Wanderausstellung “Unser Denkmal. Wir machen mit.” ist am Tag des offenen Denkmals im Lippischen Landesmuseum in Detmold zu sehen.
Foto: LWL

Die Wanderausstellung “Unser Denkmal. Wir machen mit.” stellt zehn Beispiele ehrenamtlicher Arbeit in der Denkmalpflege aus Nordrhein-Westfalen vor. Themeninseln zeigen das ganze Spektrum des ehrenamtlichen Engagements in der Bau- und Bodendenkmalpflege. Das Projekt präsentiert in einer Wanderausstellung, in einer Broschüre und auf einer Website einige der vielen ehrenamtlich Aktiven mitsamt den Denkmälern, für die sie sich einsetzen. Die Ausstellung macht vom 6. September bis zum 13. Oktober im Lippischen Landesmuseum in Detmold (Kreis Lippe) Station. Mehr Informationen zum Projekt unter: http://www.unser-denkmal.de

Detmold, Lippisches Landesmuseum, Ameide 4, 32756 Detmold,
Öffnungszeiten: Di.- Fr. 10 bis 18 Uhr, Sa. +So.+ Feiertags 11 bis 18 Uhr

Kurgasthalle mit ihren pilzförmigen Stützen im Kurgastzentrum Bad Salzuflen. Foto: LWL/Herden-Hubertus

Kurgasthalle mit ihren pilzförmigen Stützen im Kurgastzentrum Bad Salzuflen.
Foto: LWL/Herden-Hubertus

Am Beispiel der unter Denkmalschutz stehenden Kuranlage in Bad Salzuflen (Kreis Lippe) gibt LWL-Denkmalpfleger Dr. Knut Stegmann Einblicke in seine Arbeit. Er erläutert den Weg von der Inventarisierung bis zur Unterschutzstellung eines Gebäudes. Das Kurgastzentrum wurde 1981 bis 1983 nach den Plänen von Günter Behnisch, Karlheinz Weber und Fritz Auer errichtet. Es gehört zu den Herzstücken der in der Nachkriegszeit ausgebauten Kuranlagen in Bad Salzuflen. Der innovative Entwurf mit seinen Pilzstützen und der engen Verknüpfung von Innen- und Außenraum fand große Beachtung in der (Fach-) Öffentlichkeit. Der Gebäudekomplex wird trotz seiner anerkannten gestalterischen und funktionalen Qualitäten in der Reihe der »unbequemen Denkmäler« vorgestellt, da seiner Eintragung in die Denkmalliste im Jahr 2011 Kontroversen vorausgingen – nicht zuletzt wegen des geringen Alters des Kurgastzentrums.

Denkmal: Kurgastzentrum Bad Salzuflen
Parkstraße 20, 32105 Bad Salzuflen
Führung vor Ort um 14 Uhr

Wandmalereien im Festsaal des Erbdrostenhofes in Münster. Foto: LWL

Wandmalereien im Festsaal des Erbdrostenhofes in Münster.
Foto: LWL

LWL-Denkmalpflegerin Dr. Barbara Seifen und ihr ehemaliger Kollege Dr. Ulrich Reinke heben den Vorhang im Erbdrostenhof in Münster. Sie geben Einblicke über ihre Arbeit am und im Denkmal. Von den ehemals zahlreichen Adelshöfen, die das Stadtbild von Münster bis 1945 prägten, sind nur wenige erhalten bzw. nach den Kriegszerstörungen wieder instand gesetzt und teilrekonstruiert worden. Der bekanntestes unter ihnen ist der Erbdrostenhof an der Salzstraße, ein barockes Adelspalais, der 1753 bis 1757 vom Johann Conrad Schlaun für den Erbdrosten Adolph Heidenreich von Droste-Vischering errichtet wurde. Für alle restauratorischen und baulichen Fragen werden beim Erbdrostenhof individuelle Lösungen entwickelt, da es bei diesem Bauwerk keine Standardlösungen für Sanierungsmaßnahmen gibt. Hier ist das sehr genaue Hinschauen von allen Beteiligten gefordert. Das ist arbeitsintensiv und unbequem, aber zum Erhalt dieses Baudenkmals unumgänglich. Die Führungen der LWL-Experten geben Einblicke in diese besondere Arbeit der Denkmalpflege. Dabei geht es im Festsaal um die Bedeutung von Rekonstruktionen und bei den Fenstern, Fassaden und dem Dach um die Sanierung.

Denkmal Erbdrostenhof
Salzstraße 38, 48147 Münster
Kurzführungen im Wechsel jeweils um 13.30 Uhr und um 15 Uhr.

LWL-Einrichtung:
LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Fürstenbergstr. 15
48147 Münster
Karte und Routenplaner