Mobbing – Ich weiß, wie sich das anfühlt

Kamera läuft: Am letzten Drehtag stellte die Overbergschuledem Filmteam noch einmal ihre Räumlichkeiten zur Verfügung. Foto: Jörg Fruck

Kamera läuft: Am letzten Drehtag stellte die Overbergschuledem Filmteam noch einmal ihre Räumlichkeiten zur Verfügung. Foto: Jörg Fruck

Seit August entsteht an Drehorten in Witten und Dortmund ein Film von Jugendlichen für Jugendliche. Die Darsteller sind Laien, ihr Thema: Mobbing.

Im Treppenhaus der Overbergschule herrscht Tumult: Mädchen und Jungen haben sich vor dem schwarzen Brett zusammengerottet und rufen wild durcheinander. Verachtung und Hohn schwingen in ihren Rufen mit und immer wieder ist ein Name zu hören: Mia. Das Mädchen, dem der geballte Schülerspott gilt – blonde Zöpfe, rosafarbenes Kleid –, steht hilflos vor der Gruppe, sie ist den Tränen nahe.

 

Letzter Drehtag: Nach Szenen an der Ruhr und in einer Dortmunder Wohnung steht die Overbergschule samt Schulhof, Aula und Toiletten auf dem Plan. Foto: Jörg Fruck

Letzter Drehtag: Nach Szenen an der Ruhr und in einer Dortmunder Wohnung steht die Overbergschule samt Schulhof, Aula und Toiletten auf dem Plan. Foto: Jörg Fruck

Sekunden später ist der Spuk vorbei. Die Szene ist im Kasten, Kameramann und Regisseur sind zufrieden. Mia, die eigentlich Julia Wilczek heißt, hat eine solche Situation im wirklichen Leben noch nie erlebt, „Mobbing ja, aber nicht in dieser Form“, sagt sie.

Bilder werden zum Selbstläufer

Die 15-Jährige spielt die Hauptrolle im Film-Projekt der städtischen Jugendkulturarbeit. Thema: Mobbing im Internet. Aus Eifersucht stellt Klassenkameradin Nadine anzügliche Bikinifotos von Mia ins Internet. Mit bösen Kommentaren versehen, werden die Bilder zum Selbstläufer und hängen plötzlich auch in der Schule am schwarzen Brett. Doch irgendwann ergreifen Schulschwarm Ben und seine Freunde mit einer selbstironischen Aktion für Mia Partei.

Der Film wird mit Geldern des Landesjugendamtes gefördert und soll nach der Premiere im November Schulen als Lehrmaterial zur Verfügung gestellt werden.

Heute ist letzter Drehtag: Nach Szenen an der Ruhr und in einer Dortmunder Wohnung steht die Overbergschule samt Schulhof, Aula und Toiletten auf dem Plan.

Die jugendlichen Darsteller sind Laien, aber zum Teil sehr talentiert, meint zumindest der Wittener Regisseur Christopher Hustert. „Sie haben noch keine schauspielerische Ausbildung, und gerade deshalb haben sie auch etwas Besonderes an sich.“

Für ihre Rolle hat Julia an einem Casting teilgenommen: „Mein Bruder hat davon in der Zeitung gelesen, mir Bescheid gesagt und dann haben wir da sofort angerufen“. Eine Woche nach den Probeaufnahmen kam die Zusage. „Da hab ich das ganze Haus zusammen geschrien“, sagt Julia. Theater gespielt hat sie vorher zwar schon mal – „ich war ein singendes schwarzes Loch in einem Kindermusical“ – aber vor der Kamera zu stehen, ist neu für sie. Eigentlich will sie später Ärztin werden, „aber vielleicht kann ich ja nebenbei was mit Schauspielerei machen“.

„Ein Glücksgriff“ sei das Mädchen, sagt Petra Linden, die das Projekt von städtischer Seite koordiniert. Sie bietet regelmäßig Schauspielcoachings für Jugendliche an und fand darüber auch zwei der anderen Hauptdarsteller: Damien Bandulet und Xenia Stark. Neben ihnen wirken etwa 20 Statisten mit, einer von ihnen ist Lukas. Seine Aufgabe im Film: „über die Mia lachen“. Im wirklichen Leben würde er das nicht tun, „weil ich weiß, wie sich das anfühlt“.