Hohe Auszeichnung für Gustav Niermann aus Herdecke

Der Herdecke Gustav Niermann wurde für seine langjährige freiwillige Mitarbeit im phänologischen Beobachtungsdienst des Deutschen Wetterdienstes (DWD) und für seine besonderen Leistungen für die Meteorologie jetzt eine ganz besondere Ehrung zuteil: Aus den Händen von Brigitte Klante erhielt er im Schwelmer Kreishaus die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Klante überreichte ihm die Auszeichnung als Vertreterin des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Landrat Dr. Arnim Brux nutzte die Gelegenheit, um die Bedeutung des Ehrenamtes zu unterstreichen. “Immer dann, wenn sich die Bundesrepublik Deutschland mit dem Verdienstorden bei denjenigen bedankt, die sich in ganz besonderer Form für das Gemeinwohl einsetzen, wird sichtbar, wie facettenreich und selbstlos sich Menschen für Mitmenschen engagieren. Es ist gut, dass es auch bei uns Bürger wie Gustav Niermann gibt.”

Der 81-jährige arbeitet seit 1973 als phänologischer Beobachter in Herdecke für den DWD. In diesem langen Zeitraum hat er mit viel Idealismus und großem Engagement 6.516 Beobachtungsdaten notiert und an den Wetterdienst gemeldet. Der Deutsche Wetterdienst unterhält ein phänologisches Beobachtungsnetz mit rund 1.250 ehrenamtlichen Beobachtern im gesamten Bundesgebiet. Zusammen mit den 65 hauptamtlichen Stationen wird dadurch unter anderem die wetterdienstliche Beratung der Landwirtschaft sichergestellt.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter beobachten die Entwicklung von wildwachsenden Pflanzen und Kulturpflanzen im Jahresablauf. “Dies beginnt mit der Blüte der Haselnuss im Vorfrühling und endet mit dem Nadelfall der Lärche im Spätherbst. Das phänologische Beobachtungsprogramm umfasst 46 verschiedene Pflanzen. Insgesamt können in einem Jahr 167 Beobachtungen notiert und zum Jahresende an den DWD geschickt werden”, erläuterte Klante.

In den letzten Jahren ist das Interesse breiter Bevölkerungsschichten und der Medien an Umweltproblemen stärker geworden. Lange bevor die Klimawandeldiskussion in Gang kam, begannen freiwillige Helfer des Deutschen Wetterdienstes – die phänologischen Beobachter – die Auswirkungen des Klimas auf die Pflanzenentwicklung in der freien Natur zu beobachten und aufzuzeichnen. Da die Entwicklung der Pflanzen maßgeblich vom Wetter gesteuert wird, lassen sich Klimaveränderungen anhand langer Datenreihen sehr gut erkennen. So beginnt beispielsweise der Frühling seit Ende der 80er Jahre häufig früher und die Winter werden wärmer. Dies kann man auch an den von Niermann beobachteten Daten sehen.

“Neben der Klimaforschung ist die Landwirtschaft naturgemäß der Hauptnutznießer der phänologischen Beobachtungen. So werden mit Hilfe dieser Daten Modelle entwickelt, die den Verlauf von Pflanzenkrankheiten und -schädlingen vorhersagen. Diese agrarmeteorologischen Prognosen sind eine wichtige Beratungshilfe im Rahmen des umweltschonenden Pflanzenbaus. Sie sollen verhindern, dass unsere Umwelt unnötig mit Pflanzenschutzmitteln belastet wird”, so Klante.

Mit Hilfe phänologischer Daten werden aber noch viele weitere Prognosen erstellt. So gibt es spezielle Blühvorhersagen für Imker und Allergiker und ein Modell zur Berechnung der Waldbrandgefährdung, das zwingend auf entsprechenden Beobachtungsdaten angewiesen ist.