Aus dem Leben moderner Arbeitssklaven

Szene aus dem Film: Junge Arbeiterinnen halten sich mit Wäscheklammern an den Augenliedern wach. Foto: EYZ Media

Szene aus dem Film: Junge Arbeiterinnen halten sich mit Wäscheklammern an den Augenliedern wach.
Foto: EYZ Media

“Geiz ist geil!” So lautet das Motto, das sich längst im Bewusstsein vieler Verbraucher eingebrannt hat. Doch unter welchen Bedingungen müssen T-Shirt, Jeans und Co. hergestellt werden, um die niedrigen Preise zu gewährleisten? Wie junge chinesische Wanderarbeiter in einer chinesischen Jeansfabrik arbeiten müssen, können Interessierte am Donnerstag, 5. September, um 18 Uhr bei einer Filmvorführung in der Spinnerei des LWL-TextilWerks Bocholt erfahren. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) präsentiert den Dokumentarfilm “China Blue” im Rahmen der Sonderausstellungen “Cotton Worldwide” und “Kleiderwege – vom Kaufen, Tragen und Entsorgen”.

“Ich habe diesen Film gemacht, weil ich glaube, dass die Globalisierung das wichtigste Thema unserer Zeit ist”, so der Regisseur Micha X Peled, der den Film unter besonders schwierigen Bedingungen mit seinem Team drehte. “China Blue” porträtiert die Arbeits- und Lebensbedingungen drei junger chinesischer Wanderarbeiterinnen, die in einer Textilfabrik in Shaxi in der Provinz Guangdong arbeiten. Die Fabrik Lifeng des ehemaligen Polizeichefs stellt Jeans für den westlichen Markt her. Gearbeitet wird meist sieben Tage die Woche mit üblicherweise zwölf Stunden am Tag. Häufig vorkommende Überstunden werden nicht bezahlt, und wer einschläft, muss Strafe zahlen. Der Lohn wird unregelmäßig ausgezahlt, die meisten chinesischen Wanderarbeiterinnen sind nicht krankenversichert und haben in der Regel keine Arbeitsverträge.

Die Dokumentation von 2005 diskutiert die Bedingungen dieser sogenannten “Sweatjobs” in chinesischen Textilfabriken, zeigt aber auch den ungeheuren Marktdruck, der auf Firmen wie Lifeng lastet, weil sie für die Auftraggeber beliebig austauschbar sind.

Die Sonderausstellung “Cotton Worldwide” zeigt Schwarz-Weiß-Fotografien und Berichte von Hans Peter Jost und Christina Kleineidam über die Lebensbedingungen, die die Baumwolle in den wichtigsten Baumwollanbaugebieten, wie z. B. China, “geschaffen” hat. Im Mittelpunkt stehen die Menschen, die in Anbau, Ernte, Verarbeitung und Vermarktung der Baumwolle involviert sind.

“Kleiderwege – vom Kaufen, Tragen und Entsorgen” macht die problematischen Hintergründe der Produktion von T-Shirts und Co. deutlich, die hierzulande zu Billigpreisen verkauft werden. Mit Materialien der “Kampagne für saubere Kleidung” zeigt die Schau, wie sich Vereine mit Aktionen für menschenwürdige und faire Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie einsetzen.

Bevor der Film beginnt, lädt das Museum zu einem Rundgang durch beide Sonderausstellungen ein. “China Blue” hat eine Länge von 88 Minuten und wird in Originalton mit deutschem Untertitel gezeigt. Im Anschluss gibt es die Möglichkeit zur Diskussion.

Veranstaltungsort:
LWL-Industriemuseum Textilwerk Bocholt. Spinnerei, Industriestraße 5
Datum: Donnerstag, 5. September 2013
Zeit: 18 Uhr
Eintritt Museum: 6 €

LWL-Einrichtung:
LWL-Industriemuseum – TextilWerk Spinnerei
Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur
Industriestraße 5
46395 Bocholt
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